Der Herbst kommt und viele PV-Besitzer stellen sich die immer gleiche Frage. Was bringt die Anlage in den kommenden Monaten noch, wo die Sonne flacher steht und die Tage kürzer werden? Die Antwort variiert regional stark, und Baden-Württemberg gehört zu den Regionen, die etwas begünstigter sind als andere Bundesländer. Trotzdem gilt: Die Winter-Ausbeute einer PV-Anlage liegt bei etwa 15 bis 20 Prozent des Jahresertrags, verteilt auf die Monate November bis Februar.
Für eine 10-kWp-Anlage mit einem Jahresertrag von rund 10.000 Kilowattstunden bedeutet das eine Winter-Produktion von 1.500 bis 2.000 Kilowattstunden. Der Dezember ist erwartungsgemäß der schwächste Monat mit vielleicht 250 bis 350 Kilowattstunden, gefolgt vom November und Januar. Der Februar bringt oft schon deutlich mehr, weil die Sonne länger scheint und der Winkel steiler wird.
Wer sich vor der Anschaffung genauer mit Dachausrichtung und Neigung für die beste Solarausbeute beschäftigt, kann die Winter-Erträge spürbar verbessern. Der klassische 30-Grad-Süddach-Wert ist zwar für die Jahressumme optimal, aber im Winter fällt die Sonne so flach ein, dass ein steilerer Winkel von 45 oder sogar 60 Grad mehr Ertrag bringt. Wer im Neubau plant und die Wintermonate für Wärmepumpe und E-Auto besonders berücksichtigen möchte, kann diese Erkenntnis in die Dachneigung einfließen lassen.
Schnee auf den Modulen, das häufigste Missverständnis
Schnee auf den Modulen ist optisch beeindruckend, aber selten das große Problem, das Laien befürchten. Die Module sind glatt und leicht geneigt, der Schnee rutscht bei Sonneneinstrahlung meist innerhalb weniger Stunden von selbst ab. Anders sieht es bei extremem Nassschnee aus, der sich auf den Modulen festsetzt. Hier hilft manchmal ein Teleskopbesen mit weichen Borsten, aber Vorsicht: Auf glatten schneebedeckten Dächern besteht Sturzgefahr, das Reinigen im Alleingang wird nicht empfohlen.
Ein häufig unterschätzter Effekt ist die Reflexion. Sonnenstrahlen, die von einer frischen Schneedecke im Vorgarten oder auf umliegenden Dächern reflektiert werden, treffen zusätzlich auf die PV-Module und können den Ertrag an klaren Wintertagen deutlich erhöhen. Bifaziale Module, die auch von der Rückseite Licht aufnehmen, profitieren besonders davon.
Übrigens: Kalte Temperaturen sind für Photovoltaikmodule nicht schädlich, im Gegenteil. Der Wirkungsgrad steigt bei niedrigen Temperaturen sogar leicht an, weil der Widerstand in den Halbleitern sinkt. An einem sonnigen Wintertag mit minus 5 Grad liefert eine Anlage pro Stunde oft mehr Leistung als an einem heißen Sommertag mit 35 Grad und Bewölkung.
Was die Wintersonne in Süddeutschland wirklich bringt
Baden-Württemberg gehört zu den sonnenreichsten Regionen Deutschlands, insbesondere die Oberrheinebene, der Kaiserstuhl und die Bodenseeregion. Freiburg im Breisgau zum Beispiel verzeichnet im Jahresschnitt rund 1.800 Sonnenstunden, davon fallen etwa 350 auf die Monate November bis Februar. Zum Vergleich: In Hamburg sind es im gleichen Zeitraum nur 240 Stunden.
Diese Statistik ist mehr als eine Zahl. Sie bedeutet, dass eine PV-Anlage in Südbaden im Winter bis zu 40 Prozent mehr Strom produziert als eine baugleiche Anlage im norddeutschen Flachland. Bei einer 10-kWp-Anlage macht das über die vier Wintermonate leicht 700 bis 900 Kilowattstunden aus, was einem Wert von 250 bis 300 Euro entspricht. Über 20 Jahre Betriebsdauer summiert sich das zu einem fünfstelligen Betrag, allein aus der besseren Wintersonne.
Speicher im Winter, überschätzt oder unterschätzt?
Der Batteriespeicher, der im Sommer die Sonnenspitzen für den Abend puffert, hat im Winter einen deutlich geringeren Wert. Der Grund ist einfach: Die tägliche Produktion einer PV-Anlage im Dezember reicht oft nicht einmal für den Grundverbrauch des Haushalts, geschweige denn für einen Überschuss, der eingespeichert werden könnte. An vielen Wintertagen bleibt der Speicher einfach leer.
Wer eine Wärmepumpe oder ein Elektroauto betreibt, sollte den Speicher aber trotzdem nicht kleiner dimensionieren als ohne. In den Übergangszeiten März, April, September und Oktober entfaltet er seine volle Wirkung und macht dann den Unterschied zwischen 60 und 80 Prozent Eigenverbrauchsquote aus. Der Winter ist die schwache Zeit, das ganze Jahr aber gerechnet liefert der Speicher solide.
Interessant sind neue Steuerungslogiken, die den Speicher gezielt für die Wärmepumpen-Startzyklen vorhalten. Eine Wärmepumpe zieht beim Anfahren kurzzeitig 3 bis 5 Kilowatt, was einen bereits entladenen Speicher schnell an seine Grenzen bringt. Eine intelligente Steuerung, die den Speicher morgens auf mindestens 50 Prozent hält, verhindert Netzbezug in den kritischen Startphasen.
Reinigung und Wartung im Herbst
Der Herbst ist ein guter Zeitpunkt für die Modulreinigung. Laub, Vogelkot und Ablagerungen aus landwirtschaftlichen Betrieben in der Nähe reduzieren die Winter-Erträge sonst spürbar. Eine professionelle Reinigung kostet je nach Anlagengröße zwischen 150 und 400 Euro und amortisiert sich meistens schon in einer Saison durch die verbesserte Ausbeute.
Neben der Reinigung sollte einmal jährlich eine visuelle Sichtkontrolle der Anlage stattfinden. Lockere Modulklemmen, korrodierte Kontakte oder Beschädigungen durch Sturm oder Hagel lassen sich am besten im Herbst erkennen, bevor der Winter mit Frostwechseln und Feuchtigkeit die Probleme verschärft. Ein Fachbetrieb bietet solche Sichtkontrollen oft im Rahmen eines Wartungsvertrags an, was für Anlagen ab 10 kWp durchaus zu empfehlen ist.
Was der Winter über die eigene Anlage verrät
Der Winter ist die ehrliche Zeit für eine PV-Anlage. Wer im Sommer noch nachlässig war und nicht in die Monitoring-App geschaut hat, merkt jetzt oft, wenn ein Wechselrichter unterhalb seiner Nennleistung fährt oder ein Modul-String Probleme hat. Die niedrigen Werte lassen jede Abweichung deutlicher hervortreten als in den Erntewochen des Sommers.
Wer seine Anlage im Winter genau beobachtet und die tatsächlichen Werte mit den Ertragsprognosen für den Standort vergleicht, erkennt frühzeitig, ob sich Investitionen wie eine Reinigung, ein Wechselrichter-Update oder eine Modulinspektion lohnen. Für Anlagenbesitzer in Baden-Württemberg bietet der Winter außerdem die Gelegenheit, das Portfolio für das kommende Jahr zu planen: Wallbox-Nachrüstung, Wärmepumpen-Ergänzung, Speicher-Vergrößerung. Was jetzt geplant wird, ist im April bereit für die neue Sonnensaison.
